Personal Branding als Erfolgsfaktor: Warum die erfolgreichsten Unternehmen Frauen nicht nur einstellen, sondern sichtbar machen

In unseren Workshops wird es immer wieder angesprochen: Der Wettbewerb, vor allem um weibliche qualifizierte Fach- und Führungskräfte hat sich grundlegend verändert. Wir beobachten schon seit einigen Jahren, dass hier Unternehmen zunehmend erhebliche Summen in Recruiting, Employer Branding und Diversity Programme investieren. Besonders in der IT, im Ingenieurwesen oder in der Finanzwirtschaft gehört ein höherer Frauenanteil längst zu den erklärten Zukunftszielen. In der IT Branche etwa sind in neun von zehn Unternehmen weniger als die Hälfte der digitalen Fachstellen mit Frauen besetzt, und nur 17 Prozent der Informatikstudierenden sind weiblich.1

Diese Anstrengungen sind wichtig und trotzdem greifen sie aus unserer Sicht zu kurz, denn viele Unternehmen konzentrieren sich darauf, mehr Frauen zu rekrutieren, stellen sich aber deutlich seltener die Frage, wie sie die Frauen fördern, die längst da sind. 

Schau dich einmal in deinem eigenen Umfeld um: Wer übernimmt sichtbar Verantwortung und wird intern weiterempfohlen? Wer wird bei Fachfragen als erstes konsultiert? Wer steht auf der Bühne bei Konferenzen, wer wird auf LinkedIn getaggt, wenn ein Projekt gelungen ist? Genau diese Sichtbarkeit entscheidet häufig darüber, wie glaubwürdig ein Unternehmen als Arbeitgebender wahrgenommen wird, und sie entscheidet mindestens ebenso häufig darüber, wie weit eine einzelne Frau in ihrer Karriere kommt.

Die Einstellung ist erst der Anfang

Gerade in technischen Branchen wollen Unternehmen den Frauenanteil erhöhen und Bewerberinnen wollen dabei heute mehr sehen als eine Stellenanzeige oder ein „Diversityversprechen“ auf der Karriereseite. Sie wollen wissen, wie ein Unternehmen tatsächlich die eigene Kultur lebt und für andere erlebbar macht.

Gibt es Frauen in verantwortungsvollen Positionen? Werden sie gefördert? Dürfen sie ihre Expertise zeigen? Werden sie überhaupt als fachliche Ansprechpartnerinnen wahrgenommen, oder landen ihre Themen am Ende doch bei einem männlichen Kollegen?

Employer Branding beginnt deshalb nicht erst mit einer Recruitingkampagne auf Social Media. Es beginnt dort, wo Unternehmenskultur tatsächlich sichtbar wird, und das entscheidet nicht die Marketingabteilung, sondern jede einzelne Frau, die den Mut hat, ihre Arbeit intern und öffentlich zu zeigen.

Die unsichtbaren Heldinnen im Unternehmen

In vielen Unternehmen arbeiten hervorragend ausgebildete Frauen mit langjähriger Erfahrung, umfassendem Fachwissen und großer Projektverantwortung, so weit, so unumstritten. Dennoch bleiben genau diese Expertinnen häufig unsichtbar. 

Woran das liegt? Sicher nicht an mangelnder Erfahrung und Expertise. Vielmehr ist es so, dass sie ihre Erfolge nicht so oft öffentlich kommuniziert werden, sie seltener als Sprecherinnen auftreten oder schlicht nie dazu ermutigt wurden, ihre Perspektive nach außen zu tragen. Aktuelle Zahlen des Weltwirtschaftsforums, ausgewertet von LinkedIn, zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland derzeit bei knapp über 20 Prozent liegt und im dritten Jahr in Folge sinkt, obwohl er über das vergangene Jahrzehnt hinweg langsam gewachsen war.2

Für Unternehmen bedeutet das einen erheblichen Verlust. Jede unsichtbare Expertin ist gleichzeitig eine nicht genutzte Markenbotschafterin, eine mögliche Mentorin für Nachwuchstalente und eine glaubwürdige Stimme für die eigene Unternehmenskultur.

Die meisten Unternehmen messen, wie viele Frauen sie einstellen jedoch nur wenige messen, wie sichtbar diese Frauen tatsächlich sind, dabei wäre das eine wesentliche „Kultur-KPI“, sowie eine der spannendsten Kennzahlen moderner Personalentwicklung.

Warum der Arbeitgebende vertrauenswürdiger ist als jede Kampagne

Die Art, wie Vertrauen entsteht, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Menschen informieren sich auf LinkedIn, lesen Fachbeiträge, verfolgen Diskussionen und wollen verstehen, welche Personen tatsächlich hinter einem Unternehmen stehen.

Das aktuelle Edelman Trust Barometer3 zeigt hierbei speziell für Deutschland ein bemerkenswertes Ergebnis: Der eigene Arbeitgebende ist die einzige Institution, welcher eine klare Mehrheit der Menschen noch vertraut, 74 Prozent tun es, während Wirtschaft im Allgemeinen, Medien, Regierung und Nichtregierungsorganisationen allesamt im Bereich des Misstrauens liegen. 

Vertrauen zieht sich also zunehmend aus abstrakten Institutionen zurück und konzentriert sich auf das, was Menschen direkt erleben: ihren Arbeitsplatz, ihre Führungskraft, ihre Kolleginnen.

Für Unternehmen bedeutet das: Vertrauen entsteht heute nicht mehr allein über Markenkommunikation. Es entsteht dort, wo einzelne Menschen ihre Kompetenz sichtbar machen, was im Umkehrschluss für Angestellte bedeutet, dass ihre Sichtbarkeit nicht nur ein „Benefit“ fürs Employer Branding des Unternehmens darstellt, sondern hierbei sogar den Unterschied bei der Entscheidung für oder gegen das Unternehmen als Arbeitgebender macht.

Jede Geschichte ist ein kleiner Wissensschatz

Storytelling wird in diesem Kontext häufig mit Marketing in Verbindung gebracht und wirkt hierdurch oftmals sehr unnatürlich, wenn die Vorgaben des Unternehmens jegliche Authentizität untergraben. 

Dabei erfüllt die „Kunst des Geschichtenerzählens“ im beruflichen Kontext weniger eine werbliche, als vielmehr eine strategischere Aufgabe, denn es macht Wissen zugänglich und erfahrbar, wodurch es Identifikation schafft.

Eine IT Beraterin berichtet, wie sie eine neue Software eingeführt hat. Eine Ingenieurin erklärt, wie ihr Team eine technische Herausforderung gelöst hat. Eine Projektleiterin beschreibt, welche Erkenntnisse sie aus einem komplizierten Veränderungsprozess gezogen hat. Solche Geschichten vermitteln weit mehr als reine Information, denn sie machen Erfahrung nachvollziehbar, schaffen Vertrauen und tragen Wissen weiter, das sonst mit der einzelnen Person verschwinden würde.

Storytelling ist deshalb kein Selbstzweck, es ist Wissenstransfer, Erfahrung sowie Emotion und jede Frau, die ihre Geschichte teilt, stärkt damit auch die Frauen, die nach ihr kommen.

Der „Thomas-Kreislauf“ und wie man ihn mittels Personal Branding und Networking durchbricht

Netzwerken wird von vielen noch immer mit Konferenzen oder Abendveranstaltungen gleichgesetzt. Die wertvollsten beruflichen Netzwerke entstehen inzwischen aber kontinuierlich, im Austausch auf LinkedIn, durch Empfehlungen, durch gemeinsame Projekte, durch Fachartikel, durch Gespräche, die zufällig beginnen und lange nachwirken.

Die AllBright Stiftung beschreibt in ihren Berichten seit Jahren ein Muster, das sie den Thomas Kreislauf nennt, heißt: Männer in Führungspositionen rekrutieren bevorzugt Männer, die ihnen in Werdegang, Alter und Denkweise ähnlich sind. Die Vorstände der deutschen Börsenunternehmen bestehen deshalb noch immer zu 80 Prozent aus Männern4. Wer aus diesem Kreislauf ausbrechen will, braucht eigene Netzwerke, sichtbare Verbündete, eine eigene berufliche Positionierung und Vorbilder, die zeigen, dass es auch anders geht.

Gerade Frauen profitieren besonders von starken beruflichen Netzwerken und einem Personal Brand, weil sie hierdurch Sichtbarkeit generieren, neue Perspektiven erlangen und den Zugang zu anspruchsvollen Projekten oder Führungsaufgaben erhalten. Unternehmen profitieren gleichzeitig, denn solche Netzwerke erhöhen die Reichweite, stärken die Reputation und fördern den Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg.

Wo Vertrauen heute wirklich entsteht

Wenn wir uns auf Businessplattformen wie LinkedIn umschauen, ergeht es uns hierbei vermutlich wie vielen anderen auch, denn viele Unternehmen nutzen LinkedIn noch immer vor allem für Stellenanzeigen. Dabei hat sich die Plattform längst zu einem Ort entwickelt, an dem Vertrauen entsteht.

  • Hier informieren sich Bewerberinnen über die Unternehmenskultur ihres Wunscharbeitgebenden.
  • Hier recherchieren Kundinnen nach fachlicher Expertise, welche Sie gerne einkaufen wollen.
  • Hier entstehen Kooperationen, die kein Recruiting Team je angebahnt hätte, da sie Fachübergreifen oder sogar Branchenfremd starten.

Vor allem aber bietet LinkedIn Frauen die Möglichkeit, ihre Kompetenz sichtbar zu machen, ohne sich in den Vordergrund drängen zu müssen. Wer regelmäßig fachliche Einblicke teilt, Erfahrungen beschreibt und sich an relevanten Diskussionen beteiligt, baut langfristig Vertrauen auf und stärkt gleichzeitig die Wahrnehmung des eigenen Unternehmens und gleichzeitig die Reputation der eigenen Person.

Mehr als Karriere, ein Kulturwandel

Personal Branding wird dabei häufig als individuelles Karrierethema verstanden, aus unserer Sicht ist es jedoch weit mehr: Wenn Unternehmen Frauen dabei unterstützen, sichtbar zu werden, investieren sie gleichzeitig in ihre Arbeitgebendenmarke, in Wissensmanagement und in Female Leadership. Sie schaffen Vorbilder, sie fördern Identifikation, sie zeigen zukünftigen Bewerberinnen, dass weibliche Expertise selbstverständlich zum Unternehmen gehört.

Genau deshalb verstehen wir Personal Branding nicht als Selbstvermarktung, sondern als strategisches Instrument moderner Organisationsentwicklung, das bei einer einzelnen Frau beginnt und weit über sie hinaus wirkt.

Die Frage, die sich kaum ein Unternehmen traut zu stellen

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie gewinnen wir mehr Frauen? Sondern: 

Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem Frauen ihre Expertise sichtbar entfalten können, und was kannst du selbst schon heute dafür tun?

Der Erfolg einer Diversitystrategie entscheidet nicht allein darüber, wie viele Frauen eingestellt werden, er entscheidet sich auch darüber, ob diese Frauen gesehen werden. Sichtbare Expertinnen schaffen Vertrauen, machen Unternehmenskultur erlebbar und werden zu glaubwürdigen Vorbildern für die nächste Generation von Bewerberinnen.

Vielleicht sollten wir deshalb künftig nicht nur fragen, wie wir mehr Frauen gewinnen. Sondern auch, wie wir den Frauen, die schon heute jeden Tag Verantwortung übernehmen, die Sichtbarkeit geben, die ihnen zusteht. Dazu gehört auch, dass wir uns selbst diese Sichtbarkeit ebenfalls erlauben.

Der nächste logische Schritt

Genau hier setzt unser Personal Branding und LinkedIn Workshop an: „Personal Branding und LinkedIn. Werde sichtbar für das, was dich ausmacht.“

Er richtet sich ausschließlich an Frauen und verbindet strategische Positionierung, professionelles Storytelling, den gezielten Aufbau beruflicher Netzwerke und die wirkungsvolle Nutzung von LinkedIn.

Unser Ziel ist nicht, die Teilnehmerinnen zu Business-Influencerin zu machen. Unser Ziel ist, alle Anwesenden dabei zu unterstützen, ihre fachliche Kompetenz sichtbar zu machen, ihre berufliche Präsenz zu stärken und dabei ganz nebenbei auch einen Beitrag zur Arbeitgebendenmarke des eigenen Unternehmens zu leisten, ob als Angestellte oder als Gründerin des eigenen Unternehmens, spielt hierbei keine Rolle.

Egal ob Unternehmerin, Geschäftsführende, HR- und Personalverantwortliche, Abteilungsleiterin oder Fachexpertin: Wir freuen uns, im September Live vor Ort in Köln eine Vielfalt an spannenden Frauen begrüßen zu können, die das hier Gelesene direkt in Umsetzung bringen und ihre eigene Positionierung ausbauen wollen.

Alle Informationen sind hier zu finden: femalexperts.academy/weiterbildungen/personal-branding-linkedin

Quellen

  1. Bitkom: Frauen in IT und Digitalberufen 2025, bitkom.org ↩︎
  2. LinkedIn Deutschland, ausgewertet für den WEF Global Gender Gap Report 2025: Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland, mynewsdesk.com/de/linkedin-deutschland ↩︎
  3. Edelman Trust Barometer 2026, Deutschlandbericht, edelman.com/de/de/trust/2026/trust-barometer ↩︎
  4. AllBright Stiftung: Herbstbericht 2025 „Krisenlähmung“ und Fakten zu Frauen in Führungspositionen, allbright-stiftung.de/fakten ↩︎

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